
Rainer Nehring schrieb am Freitag 13. August 2004 zum Thema ARBEITERINNEN ANS NETZ:

Dieser Artikel erscheint auch in der nächsten ver.di Publik.
Wenn Betriebe und Verwaltungen ihre internen Informationsnetze knüpfen, bleibt eine Gruppe meist ausgeschlossen , die der Arbeiterinnen und Arbeiter. ver.di hilft beim Mitknüpfen.
Steht einer im Blaumann in der Kantine am PC und fingert auf der Tastatur herum. Kommt ein Vorgesetzter vorbei und denkt sich: Der soll lieber arbeiten, statt an der Kiste rum zu spielen. Irrtum, der Mann vergnügt sich nicht, er informiert sich. „Das ist sein gutes Recht“, sagt Rainer Nehring, bei ver.di zuständig für die Gruppe der Arbeiterinnen und Arbeiter. Gerade diese Gruppe werde bisher bei der Installation von Informations- und Kommunikations-technik (IKT) in den Betrieben abgehängt. „Sie hat aber einen Anspruch auf Gleichstellung.“
Um den zu erfüllen, hat ver.di mit dem Projekt „Arbeiter/innen ans Netz“ geholfen.
Als Modellunternehmen sind vor zwei Jahren die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) ausgesucht worden. Auch dort hatten Arbeiter/innen keinen Zugang zum betrieblichen Netz. Meist seien die Betriebsvereinbarungen zum Einführen der IKT auf den Verwaltungs- und auf den technischen Bereich beschränkt, bedauert Rainer Nehring. Wer keinen PC-Arbeitsplatz hat, bleibe von zeitgemäßen Möglichkeiten zur Information und Kommunikation ausgeschlossen.
Bei der BVG wurden in fünf der 19 Dienststellen allgemein zugängliche PC (Infopunkte) mit Intranet- und Internetanschluss aufgestellt. Nun ist die Tür offen zu Nachrichten aus dem Betrieb, von ver.di, des Personalrats und zahlreichen Publikationen. „Die Kolleginnen und Kollegen verlangen aktuelle Infos aus der Politik und dem sonstigen Tagesgeschehen,“ sagt Rainer Nehring. Auch Vorstände hätten erkannt, wie wichtig es ist, wenn alle Beschäftigten Zugriff aufs Intranet und Internet haben. „Wir mussten die Dienststellenleiter davon überzeugen, dass sie mit diesem Instrument die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr gut erreichen können.“ Beispielsweise für die Personal-, Urlaubs- und Dienstplanung.
Vor allem die Auszubildenden seien für die Netznutzung zu begeistern. Immerhin hätten 70 bis 80 Prozent zu Hause einen PC stehen und verstünden nicht, warum sie auf dieses Medium im Betrieb verzichten sollten. Bei der BVG hat die Jugend- und Auszubildendenvertretung eine eigene Seite im Intranet. Ältere Beschäftigte dagegen plagten oft Hemmungen. „Wir haben es nicht hingekriegt, dass alle eine Grundschulung bekommen haben.“ Das ändere sich, wenn das Angebot an PC um zehn zusätzliche Exemplare erweitert und in das Informationskonzept der BVG einbezogen wird.
Der Versuch bei der BVG ist andernorts auf Interesse gestoßen. Anfragen kamen aus dem Amt „Öffentliches Grün“ der Stadt Schwerin und aus der Universität Mainz. In Bremen sind die Straßenbahner von sich aus aktiv geworden. Dort wird das Intranet auch für Verbesserungsvorschläge genutzt. Im August 2004 wurde das Projekt bei den BVG abgeschlossen. Den Erfolg nutzt Rainer Nehring, um für ähnliche Installationen überall dort zu werben, wo Berufsgruppen keine Möglichkeit haben, sich im Intranet und Internet zu informieren. Das seien zum Beispiel Verkäufer/innen und Feuerwehrleute, also auch Angestellte sowie Beamtinnen und Beamten.
Informationen über das Projekt „Arbeiter/innen ans Netz“: ver.di-Bundesverwaltung, Ressort 13, Bereich Arbeiterinnen und Arbeiter, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin.
Autor Diemar Rothwange
URL des Textes: http://www.verdi-blog.de/arbeiterinnen/4/viewentry/99
Kommentare
Rainer Nehring am 15. September 2004
Hallo, Rainer!
Ist das nicht Wahnsinn, ich liebe dieses Projekt "Arbeiter ans Netz"!!!!!!!!!!! Da ich während der Arbeitszeit kaum dazu komme, habe ich mir den Freitag ab 12.30 für diese "Vergnügungen" ausgesucht.
Inzwischen habe ich schon allerhand gelernt und bin froh, daß ich diese Aktion gestartet habe. Daß es mir so viel Spaß macht, habe ich sicher nicht erwartet. LG Sylvia aus Schwerin
tut nichts zur sache am 9. Oktober 2006
ARBEITERINNEN ANS NETZ
ARBEITERINNENTAGE
ARBEITERINNEN REGIONAL
ARBEITERINNENZEIT
ARBEITERINNENPLATZVERNICHTUNG
SPRÜCHIN DIE WOCHIN
geht's noch?