Lidl lohnt sich –
Ist Lidl mit dem Ruf nach Mindestlohn im Einzelhandel auf dem richtigen Weg?
Sollten es die Neckarsulmer ernst meinen, ist es dann nicht zu wenig nur einem Mindestlohn zu fordern. Ziel im Einzelhandel ist doch nicht nur der Mindestlohn, sondern der allgemeinverbindliche Tarifvertrag für alle Beschäftigten des Einzelhandels. Hier könnte Lidl doch punkten, denn Lidl zahlt doch Tarif. Der Vorstoß von Lidl mit der Forderung nach einem Mindestlohn hat dadurch auch einen schlechten Beigeschmack. Man könne darin auch den Versuch sehen, lieber den Mindestlohn statt Tarif zu zahlen. Ein Austritt Lidls aus dem Arbeitgeberverband hätte sicher auch Nachteile für die nicht Tarifgebundenen Beschäftigten bei Lidl.
Lidl lohnt sich – für viele schon längst nicht mehr?
Ist Lidl zu einem drastischen Sparkurs gezwungen?
Dies hört man aus den Filialen, Stunden sparen, Umsatzrückgänge, Kundenrückgänge und mehr Mitbewerber die den Preiskampf mit Lidl eingegangen sind. Möchte Lidl aus diesem Grund den Mindestlohn, um andere Unternehmen zu höheren Personalkosten zu zwingen.
Die Schlecker Variante ist wohl auch nicht die beste und wäre wohl für das Image nicht gut.
Was sich vielleicht in Zukunft für die Lidl – Beschäftigten lohnt, wäre die Tarifgebundenheit.
Lidl lohnt sich – auch für die Beschäftigten, wenn sich mehr Betriebsräte bilden und für die Rechte der Beschäftigten eintreten.
Wie das Magazin Stern aufgedeckt hat, hat der Lidl-Konzern seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über Monate hinweg systematisch bespitzelt. Diese "Stasi-Methoden bei Lidl" haben dazu geführt, dass intimste Details aus dem Privatleben protokolliert wurden: "Mehrere Hundert Seiten interner Lidl-Protokolle vor, in denen jeweils mit Tag und Uhrzeit notiert, wann und wie häufig Mitarbeiter auf die Toilette gehen, wer mit wem möglicherweise ein Liebesverhältnis hat, wer nach Ansicht der Überwacher unfähig ist oder einfach nur 'introvertiert und naiv wirkt'."
Beim Aktionstag für die Menschenrechte in Discountern sind am 10.12. in vielen Ländern Europas Menschen auf die Straße gegangen, um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern.
Mit Filialbesuchen und grenzüberschreitenden Solidaritätsaktionen (wie zum Beispiel in Slubice und Frankfurt (Oder)) machten Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter bei den Discountern Lidl, Kaufland, Aldi, Schlecker, Norma, Netto und Kik Druck. Unter anderem in Deutschland, Polen und in der Schweiz wurden Filialen besucht, Flugblätter verteilt und die Beschäftigten ermuntert, ihre Rechte einzufordern.
Der öffentliche Druck hat Wirkung gezeigt: Nachdem bereits im September der Mehrheitserwerb des Naturkost-Discounters Basic durch die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) gestoppt worden war, hat sich Schwarz nun zum Komplettausstieg aus dem Geschäft entschieden.
Der Schritt hatte sich bereits angebahnt, nachdem Basic-Finanzvorstand Johann Priemeier am 6. November seinen Job aufgab. Er hatte den Aktienerwerb durch Schwarz im Sommer massiv gefördert.
Basic-Aufsichtsrat und -Geschäftsleitung wollen nun, so schreibt die Lebensmittel-Zeitung vom 13.11., wieder an die Ursprungsidee der Gründer des Bio-Discounters anknüpfen: Bio für alle, ein moderates, nicht auf Verdrängung zielendes Wachstum sowie Kooperation in der Branche
Mit hundertprozentiger Wahlbeteiligung wurde in der ersten von knapp 50 Lidl-Filialen in Hamburg ein Betriebsrat gewählt. Damit haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgreich ihr Recht auf betriebliche Interessenvertretung wahrgenommen. Auch im aktuellen Fall haben "mittlere und untere Führungskräfte in Einzelgesprächen versucht, Mitarbeiter zu beeinflussen", berichtet die Tageszeitung junge Welt. Doch habe sich die Belegschaft "nicht beirren lassen" und "fest zusammengehalten", erklärte ver.di-Fachbereichsleiter Ulrich Meinecke. "Die 100%ige Wahlbeteiligung hat gezeigt, wie wichtig den Beschäftigten ein Betriebsrat ist", sagte er. (Bild: Jan Johannsen)
Rechtzeitig zum 2. ver.di-Bundeskongress, der Anfang Oktober in Leipzig tagte, wurde die neue Ausgabe der Kampagnenzeitung "Schwarzmarkt" fertiggestellt. Alle Delegierte erhielten ein druckfrisches Exemplar.
Aufmacher ist die erfolgreiche Betriebsratswahl in Stuttgart-Feuerbach. Weiterhin wird der internationale Aktionstag gegen die Billig-Discounter und ihre Dumpingpolitik am 10. Dezember angekündigt. Außerdem kommen Promis in der Zeitung zu Wort und es wird geschildert, was sich in einer Bamberger Filiale durch die Wahl einer Betriebsrätin verändert hat.
Die Belegschaft der Bamberger Lidl-Filiale an der Würzburger Straße hat sich in die aktuelle Tarifauseinandersetzung im Einzelhandel eingebracht und am 04. Oktober für die Forderungen der Beschäftigten gestreikt.
Insbesondere für den Erhalt der Zuschläge bei Sonderöffnungen setzten sich die Streikenden ein. Bei den Kundinnen und Kunden stießen sie damit weitgehend auf Verständnis und Zustimmung. Die Betriebsrätin der Filiale, Ulrike Schramm-de-Robertis, und ver.di bewerteten den Steik als vollen Erfolg.
Die Regionalzeitung "Fränkischer Tag" berichtete am 10.10. unter der Überschrift "Lidl-Beschäftigte kämpfen für Zuschläge" über den Streik.
Nach der Betriebsratswahl bei Lidl in Stuttgart-Feuerbach verfasste der neue Betriebsrat eine Grußadresse an den zeitgleich in Leipzig tagenden ver.di-Bundeskongress. In der Grußadresse heißt es:
"Die soeben gewählten Lidl-Betriebsräte grüßen die Delegierten des 2. Kongresses von ver.di!
Heute, Freitag, dem 5. Oktober 2007, wurden die Stimmen ausgezählt. Ab heute besitzt die Lidl-Filiale in Stuttgart-Feuerbach einen dreiköpfigen Betriebsrat!
Die Zeit der laufenden Betriebsratswahlen war nicht leicht für uns, aber viele Kolleginnen und Kollegen in der Filiale haben dem Druck von Lidl nicht nachgegeben und selbstbewusst von ihrem demokratischen Recht Gebrauch gemacht.
Die Lidl-Kampagne von ver.di hat uns in dieser Situation den Rücken gestärkt und das Gefühl der Unterstützung gegeben. Nun werden wir endlich die schlechten Arbeitsbedingungen verändern können.
Wir danken den Delegierten des laufenden Gewerkschaftstags und wünschen viel Erfolg."
Die Beschäftigten einer Lidl-Filiale in Stuttgart-Feuerbach haben am 04. Oktober einen 3-köpfigen Betriebsrat gewählt. Damit kann die Belegschaft zukünftig die Einhaltung von Gesetzen und tariflichen Vereinbarungen gewährleisten und dauerhaft verbesserte Arbeitsbedingungen sichern.
Die mutigen Beschäftigten der Stuttgarter Filiale zeigen: Auch bei Lidl ist es möglich, eine betriebliche Interessensvertretung zu wählen, wenn die Belegschaft zusammensteht.
Der Betriebsrat verfasste unmittelbar nach der erfolgreichen Wahl eine Grußadresse an den 2. ver.di-Bundeskongress, in der er sich unter anderem für die Unterstützung durch die gewerkschaftliche Lidl-Kampagne bedankten. Am Abend des 05. Oktober trug die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Margret Mönig-Raane den rund 1.000 Delegierten die Grußadresse unter Applaus vor.
Die Aktiven der bundesweiten Lidl-Kampagne gratulieren den frisch gewählten BetriebsrätInnen!