Mittwoch 26. Oktober 2005
zum Thema ERFAHRUNGSBERICHTE
Neu bei Lidl: Mitarbeiter für Personal und Soziales, eine Einrichtung, die es erst seit wenigen Wochen existiert. Angesiedelt sind diese Mitarbeiter auf der Ebene der Vertriebsgesellschaft.
Filialbeschäftigte erhielten eine Mitteilung und das Angebot, Probleme, die nicht mit dem Vorgesetzten geklärt werden können, dort vorzutragen. Erste Berichte von Betroffenen lassen daran zweifeln, dass Gespräche vertraulich und Probleme auch aus dem Blickwinkel der Beschäftigten gesehen werden. Vorsicht ist wohl all jenen anzuraten, die nicht wollen, dass ihr Anliegen gleich an der großen (Verkaufsleiter-) Glocke hängt.
Noch immer will Lidl keine Betriebsräte. Wenn die Mitarbeiter für Personal und Soziales ein Ersatz sein sollen, hat Lidl wohl auf eine falsche Nummer gesetzt. So manche/r Verkäufer/in war jedenfalls mit Lidl-Hotline oder Mitarbeiter für Personal und Soziales schon falsch verbunden.
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zum Thema AKTIONEN
Neu in Calw: Lidl stellt sich weiterhin richterlichen Anordnungen quer. Das Arbeitsgericht Pforzheim hat zwischenzeitlich schon 100 000 € Ordnungsgeld verhängt.
Das hat jetzt sogar den ehemaligen Arbeitsminister Walter Riester auf den Plan gerufen, der diese Woche die Patenschaft für die Filialbeschäftigten überommen hat. Einhaltung von Rechten für Beschäftigte und echte Verhandlungsbereitschaft sind Mindestanforderungen, die Lidl einhalten muss.
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Samstag 15. Oktober 2005
zum Thema PRESSESTIMMEN
Lidl & Co. schaffen nicht nur im positiven Sinn Arbeitsplätze, den Berichten nach auch im negativen
Sinn: http://www.manager-magazin.de/it/artikel/0,2828,379513,00.html
Es gibt aber auch das Beispiel mit den Lidl-eigenen Fuhrpark: einfach auflösen oder ausgliedern. Eine Variante um die Euros sparen, die man braucht um noch erfolgreicher zu sein. Menschen, die aber das Geld benötigen, um Familien zu versorgen und jetzt mit teilweise weniger als 500.- Euro, ohne Weihnachts- und Urlaubsgeld, die mehr als 50 Wochenstunden arbeiten oder sogar arbeitslos geworden sind, schert sich bei Lidl keiner drum. Dumping in allen Sparten, mit allen Mitteln und aller Macht.
Im Ausland wird Lidl wohl auch nicht so gerne gesehen, denn in der Schweiz läuft es laut Medienberichten nicht so nach Wunsch, und in Tschechien wird Lidl boykottiert. Die Lidl-Filiale in Calw, Thema in den Medien, kostet Lidl nicht nur 100 000.- Euro, sondern einen
Imageverlust, der sich nicht beziffern lässt - und das ist erst der Anfang. München: negative Schlagzeilen wegen einer Betriebsratswahl. Forchheim: der Verkauf einer ganzen Belegschaft mit Betriebsrat in eine von Lidl erst neu gegründete Tochtergesellschaft. Bamberg: ausgegliedert in eine neu gegründete Vertriebsgesellschaft. Wozu das alles? Neusten Gerüchten nach benötigt man für neue Vorhaben keine aktiven Betriebsräte.
Ladenschlusszeiten ab dem neuen Jahr bis 22.00 Uhr und zur Weltmeisterschaft sogar rund um die Uhr.
Das ist mit einem Betriebsrat sicher nicht so leicht durchzuführen. Lidl ist eines der Unternehmen, die sich nicht an die Gesetze hält und somit den großen Erfolg nicht erreichen kann. Über die Schlagzeilen freuen sich die dritten, doch weit gefehlt, Solidarität und Gerechtigkeit gibt es noch und sie wird jedes der
Unternehmen, die sich nicht auf den Weg der Menschlichkeit befinden, treffen. Die Politik ist gefragt, Gesetze müßen der heutigen Zeit neu angepaßt werden. "Gesellschaft mit beschränkter Haftung" - wieso mit beschränkter Haftung, wenn der Gesellschafter "voll" haftet in der höhe von 25000.-/12500.-? Es gibt sie, die solidarische Unterstützung der Politik, und man sollte ihr vertrauen.
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Mittwoch 5. Oktober 2005
zum Thema ERFAHRUNGSBERICHTE
Auch ein mr. spock hatte sich daran begeben, Kathy zu antworten. Seine Rede wiederum hat unseren Freund rabindranat zu folgenden Überlegungen inspiriert:
"Prisenkommando VII
jetzt aber mal zu, nein, nicht zu pille, auch nicht zu palle, sondern zu mr spock, dem ich nicht widersprechen will wenn er schreibt: langer rede kurzer sinn. da hat er recht, der spock.
ja, mr spock, so isser, der tarifvertrag. überhaupt nicht kompliziert. dass ver.di den verbrochen hat, noch dazu dass in ihm die arbeitszeiten sehr genau geregelt sind, darauf kann ver.di stolz sein. ein stückchen mehr verlässlichkeit und planbarkeit im leben eines lernenden und auch arbeitenden menschen im einzelhandel.
ich wünschte mir die sicherheit, mit der spock die übernahme nach der ausbildung bei lidl begreift, gerne. leider spricht zu mir meine wahrnehmung in anderer sprache.
in zeiten der expansion ist übernahme noch möglich. hier wird allerdings erbarmungslos gesiebt. gesucht wird das olympiareife individuum, als leitender in verantwortungsvoller position. kunkurrenz- und leidensfähig ist voraussetzung.
die azubis bei vw, siemens, daimler, audi gingen auch mal davon aus. heute suchen sie sich aushilfssjobs und tätigkeiten auf island oder norwegen. ausgeschlossen bei lidl? gab nicht schlecker vor jahresfrist, man hört von 150 millionen euro, dem finanzklammen d. schwarz? gibt es aldi, penny, plus, norma und die anderen nicht mehr? konkurrenz und verdrängung - schlagworte von gestern?
in einem hat er allerdings recht der spock, der mister. da merkt man halt seine jahre als leitender mit verantwortung und viel spass, der ihm allerdings manchmal unheimlich vorkommt.
die ver.di lidl kampagne ist nicht nur ziemlich politisch, sondern sehr. interessant ist lidl sicher auch, aber nicht zur verwirklichung von mister ver.di, sondern zur verwirklichung der ziele und interessen der beschäftigten dortselbst, die sich in ihrer gewerkschaft ver.di zusammengeschlossen haben, um die bedingungen ihrer arbeit und damit ihrer existenz mit zu bestimmen und dem demokratischen gedanken im verfolg der abendländischen kultur auch bei lidl auf die sprünge zu helfen.
der gegensatz der interessen ist es doch, der in den köpfen so mancher zeitgenossen nicht mehr wahrgenommen werden soll, aber in ihren herzen tatsächlich vorhanden ist und gefühlt wird. wir sitzen alle in einem boot, in dem viele rudern und wenige gerudert werden.
leben leitende wirklich in parallelwelten?
und warum sollte ver.di den tante-emma-laden an der ecke in den dreck ziehen? bei dem hat der begriff ladenschluss doch seinen endgültigen charakter längst offenbart. gerade weil es ketten wie lidl, aber auch die anderen, gibt. in der tat. da muss schon so ein unternehmen wie lidl her.
ein wort noch zur ausbildung bei ver.di. wo hat der extraterristische spock nur die kenntnisse her? „lernen tut man da auch nicht wirklich“, schreibt er, der spock. auch nicht? wo denn noch nicht? bei lidl?
galaktische grüße aus dem weltraum"
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zum Thema AKTIONEN
Kathy macht sich Sorgen um ihren Freund, der bei Lidl Auszubildender ist. Sie stellt eine Reihe Fragen, und wir haben unseren Freund rabindranat gebeten, ihr zu antworten. rabindranat hat das getan, und wir hoffen, dass seine Auskünfte auch anderen eine Hilfe sein werden:
„hallo kathy,
ich mach mal den versuch deinen blog verständlich für dich zu beantworten.
Dass du dir sorgen machst über die ausbildung deines freundes ist im einzelhandel generell angebracht. Warum nicht auch bei lidl. Mal abgesehen davon, dass die ausbilder manchmal eben individuell nicht so toll drauf sind, bleibt ihnen in der regel auf grund der engen personalstärke im einzelhandel kaum gelegenheit die durch die ihk, den ausbildungsplan als auch den ausbildungsvertrag vorgegebenen notwendigkeiten ausreichend zu schulen, geschweige denn, die besonderen qualitäten der auszubildenden zu fördern. Das ist für beide beteiligte manchmal bitter, aber leider die realität.
Zu deinen fragen konkret:
1) dein freund schuldet dem unternehmen ausschliesslich seine ausbildungskraft. Er ist ja auszubildender und nicht arbeitnehmer. deshalb hat er auch einen ausbildungsvertrag und keinen arbeitsvertrag. mit anderen worten, er hat nur eine verpflichtung: sich ausbilden zu lassen. das unternehmen hat auch eine verpflichtung: auszubilden. diese binse muss immer mal wieder in erinnerung gerufen werden. grundlage ist der ausbildungsvertrag und die darin festgeschriebenen bedingungen. da der tarifvertrag bei lidl angewandt wird, gelten auch die tarifvertraglichen regelungen. In der regel gilt bei der arbeitszeit die 37,5 stunden/woche. das duale ausbildungssystem in der brd bedingt, dass 2 mal wöchentlich die berufsschulbank gedrückt wird. Die anzurechnenden zeiten sind im berufsbildungsgesetz geregelt. in der konstellation kann es eigentlich keine minusstunden geben. dass dein freund zu wenig arbeitet mag ja dem fl so vorkommen, aber er schuldet der filiale die tarifvertraglichen 37,5 stunden. der rest ist eine frage der personalplanung und die liegt eindeutig in den händen der filialleitung. klappt da was nicht, ist der verursacher der fl.
2) dass dein freund jetzt auch noch einen vertrag als vertretungskraft (wohl für den chef, wie du schreibst) hat, ist zumindest branchenfremd und unüblich. hat er jetzt zwei verträge, die auch noch qualitativ äusserst unterschiedlich zu bewerten sind? das macht nachdenklich. es ist sicher eine anreicherung seines ausbildungsplans. dafür brauchts aber keinen eigenen vertrag. welcher gilt denn nun? der ausbildungsvertrag oder der vertretungsvertrag? ein zweiter, dann wohl arbeitssvertrag, neben seinem ausbildungsvertrag beim gleichen arbeitgeber in der gleichen zeit, ist sicher rechtsmissbräuchlich. sind denn mögliche probleme mit regressansprüchen für deinen freund geregelt? wie wird er in der zeit der vertretung seines chefs denn ausgebildet? weiss die versicherung von lidl das? die sozialversicherung, die berufsgenossenschaft ?
3) samstagsarbeit. soweit ich weiss, sagen alle tarifverträge bundesweit aus, dass ausbildung zu spätöffnungsbedingten zeiten (nach 18.30 uhr) auf wunsch des beschäftigten an drei tagen zulässig ist und an zwei samstagen ausgebildet werden kann -– an zwei, nicht an drei.
wird er bis 18.30 uhr ausgebildet, muss ihm wegen der verteilung der ausbildungszeit auf eine 5 tage/woche in der woche ja ein werktag frei gegeben werden. so sagt der tarifvertrag. holt ihn euch einfach aus der nächstgelegenen ver.di geschäftsstelle!
herzliche grüsse aus edukatien“
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Dienstag 4. Oktober 2005
Bernd Steinmann
Da dankt der Jochen aus Mainz den Lidl-Beschäftigten für ihre Arbeit. Das ist gut, das ist sogar prima. Nicht prima ist, dass Jochen eine falsche E-Mail-Adresse angibt. Da denke ich doch, dass es den Jochen gar nicht gibt. Was ja schade wäre, da er sich doch so lieb bei den Lidl-Beschäftigten bedankt.
Also, so, wie der falsche Jochen aus Mainz das Weblog nutzt, so ist es falsch. Gell, Jochen, das hast du jetzt aber verstanden, oder?
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Samstag 1. Oktober 2005
zum Thema AKTIONEN
Jedes Fest geht einmal zu Ende - das dachte sich offenbar die Besatzung der Lidl-Zentrale in Neckarsulm.
Als sich gegen halb sechs heute Nachmittag viele Teilnehmer der Solidaritätsveranstaltung vor der Lidl-Filiale im Alten Bahnhof in Calw auf den Heimweg gemacht hatten, fuhren drei Wagen mit Heilbronner Kennzeichen vor, aus denen mehrere Männer kletterten. Kurzerhand montierten sie die erst wenige Stunden zuvor während der besagten Nacht- und Nebel-Aktion angebrachten Schilder ab, auf denen stand, die Filiale bleibe während der nächsten Wochen wegen Umbauarbeiten geschlossen.
Großes Rätselraten: Was passiert jetzt schon wieder? Die Antwort war kurz darauf für alle Anwesenden auf neuen Schildern zu lesen, die die Männer anbrachten: Diese Filiale wird stillgelegt.
Die Bestätigung, dass dies kein übler Scherz sei, bekam der Betriebsratsvorsitzende kurz darauf per Telefon - Lidl-Geschäftsführer Rossmann aus Bietigheim
teilte mit, die Filiale werde nicht wieder öffnen.
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Bernd Steinmann zum Thema AKTIONEN
Wildwest im Schwarzwald. Obwohl Lidl per einstweiliger Verfügung die Schließung der Filiale in Calw untersagt wurde, hat der Discounter zugeschlagen. "Hallo Leute, die haben unsere Filiale widerrechtlich dicht gemacht", schreibt Asterix. Gleich zwei Schlüsseldienste musste Lidl bemühen. Der erste Schlüsseldienst gab nach einem Gespräch mit dem Betriebsrat den Auftrag zurück. Einige Stunden später tauchte der Lidl-Obere mit einem weiteren Schlüsseldienst auf. Dieser tauschte auf Anweisung die Schlösser der Lidl-Filiale aus. Bis gegen 3:00 Uhr hatten Lidl-Beschäftigte versucht, dies zu verhindern. Die Solidaritätsveranstaltung ab 10 Uhr am Alten Bahnhof läuft.
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