"Heldin des Alltags": Schlecker-Betriebsrätin für taz-Panther 2006 nominiert
Die tageszeitung (taz) verleiht auch in diesem Jahr wieder einen Preis an eine Person, die sich im Alltag auf besondere Weise für andere Menschen einsetzt. Neben acht weiteren KandidatInnen wurde in diesem Jahr auch die Schlecker-Betriebsrätin Barbara Cybard aus dem baden-württembergischen Kehl nominiert. Die Schlecker-Filialleiterin und Mutter zweier Kinder hatte 1998 gemeinsam mit einigen Kolleginnen gegen massive Widerstände der Geschäftsleitung einen Betriebsrat gewählt.
Auslöser für Barbara Cybards Engagement war der Zusammenbruch ihrer älteren Kollegin, der wegen eines unterstellten Diebstahls gekündigt wurde. Barbara Cybard ahnte bald, dass an den Vorwürfen nichts dran war, sondern dass sie nur ein Vorwand für die Geschäftsleitung waren, die ältere und damit teurere und nicht mehr uneingeschränkt belastbare Kollegin loszuwerden. Einen Betriebsrat, der die Rechte der Kollegin hätte verteidigen können, gab es nicht. Schlecker hatte schon damals alles daran gesetzt, Mitbestimmung im Unternehmen zu verhindern.
Die Wut über diese fiese Masche war jedoch stärker als Barbara Cybards Angst vor dem Druck der Geschäftsleitung: Sie motivierte einige ihrer Kolleginnen und organisierte gemeinsam mit ihrer Gewerkschaft die Wahl eines Betriebsrates. War anfangs die Wahlbeteiligung noch gering, hat sich das Engagement der selbstbewussten Filialleiterin inzwischen ausgezahlt: Immer mehr Kolleginnen beteiligen sich an den Wahlen ihrer Interessenvertretung. Sie sehen, dass Mitbestimmung ihre Arbeitssituation entscheidend verbessern kann.
Barbara Cybard ist inzwischen freigestellte Betriebsrätin. Sie kümmert sich unter anderem darum, dass die Arbeitszeiten richtig erfasst werden und die Kolleginnen ihren Urlaub nehmen können. Bei Abmahnungen, die es in letzter Zeit häufiger gibt, fährt sie zu den betroffenen Kolleginnen, berät sie und sucht nach Lösungen. Die eigenen Rechte zu kennen und sich nicht mehr ausgeliefert zu fühlen, stärkt das Selbstbewusstsein das haben Barbara Cybard und ihre Kolleginnen erfahren. Heute lassen sie sich nicht mehr ein X für ein U vormachen.
Auf den Internet-Seiten der taz kann man seine Stimme abgeben für die Kandidaten des taz-Panthers 2006.








