Die Pfandnummer
Langsam häuft es sich. Pfandgirl, marry und noch einige andere hier im Blog haben berichtet, dass sie oder ihre Kolleginnen gekündigt wurden, weil sie angeblich in die Pfandkasse gegriffen hätten. Jetzt erzählt auch Gestresste, dass in ihrem Markt eine Auszubildende in der Probezeit unter anderem wegen Pfanddiebstahls bzw. Unregelmäßigkeiten in der Pfandstatistik rausgeworfen worden sei und fragt, wie sie dem Mädchen helfen könne.
Diebstahl an sich ist ein schwerer Vorwurf, gerade auch für Beschäftigte im Einzelhandel. Der Ruf der Betroffenen ist ruiniert, sie finden in ihrer Branche nur schwer wieder einen Job. Es kommt tatsächlich vor, dass Beschäftigte in die Kasse greifen aus welchen Motiven auch immer. Das ist eine belastende Sache, für das Unternehmen ebenso wie für die Kolleginnen und Kollegen. Gleichzeitig zeichnet sich bei Lidl ab, dass angebliche Pfandunregelmäßigkeiten gehäuft und ohne stichhaltige Beweise als Vorwand für die meist fristlose Kündigung von Kolleginnen dienen, die die Geschäftsleitung schon lange loswerden wollte. Betroffen sind mehrheitlich ältere Beschäftigte, die schon länger im Unternehmen sind (und langsam "teuer" werden oder nicht mehr ackern können wie ein junger Hüpfer). Ist die "Pfandnummer" also mehrheitlich nur ein Vorwand?
Plus Bln hat letzthin zur Pfand-Diskussion ganz richtig beigetragen, dass Lidl es nicht so einfach hätte, Leute ohne stichhaltige Beweise vor die Tür zu setzen, wenn es einen Betriebsrat gäbe. Natürlich können Beschäftigte auch vor Gericht versuchen, Recht zu bekommen. Letztlich aber wäre es effektiver, schon im Betrieb darüber zu wachen, dass niemand unrechtmäßig gekündigt werden kann. Ein Betriebsrat kann Willkür verhindern. Er kann im übrigen auch darauf achten, was mit der Auswertung von Kassenprotokollen noch geschieht, abgesehen von der Aufdeckung von Differenzen und Unregelmäßigkeiten.
Längst werden Kassendaten mit Hilfe von "Loss Prevention" und ähnlichen Programmen systematisch zentral gescannt, um Betrügereien aufzudecken
benutzen kann man sie aber auch, um etwa Leistungsprofile zu erstellen: Wer hat wieviele Stornos? Wer weicht besonders vom Durchschnitt ab? Ein Betriebsrat hat Mitspracherechte beim Einsatz solcher Datenerfassung, -speicherung und -auswertung. Er kann verhindern, dass diese Daten zur Leistungskontrolle oder anderen Zwecken verwendet werden dürfen.
Das Fazit auch für dieses Thema ist, dass Ihr nur selbst etwas ändern könnt und zwar ZUSAMMEN, GEMEINSAM. In Eurer Filiale, für Eure Rechte. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dabei seid Ihr nicht allein. Rat und Unterstützung bekommt Ihr von ver.di, und es gibt noch eine Menge anderer Menschen, die hinter Euch stehen. Das habt Ihr sicher in den letzten Monaten gemerkt.
TRAUT EUCH!








