Kein Greenpeace-Magazin mehr bei Lidl
Es war schon ein wenig merkwürdig: Greenpeace testete 2006 Obst und Gemüse verschiedener Handelsketten und stellt teils hohe Pestizid-Belastungen fest – insbesondere bei Lidl. Kurz darauf verkauft Lidl plötzlich das Greenpeace-Magazin in seinen Filialen. Beim nächsten Test 2007 erhält Lidl dann Bestnoten für sein Obst und Gemüse. Gekaufte Ergebnisse? Jetzt soll Schluss sein mit dem Verkauf des Magazins bei Lidl.
Was vielen Verbraucherinnen und Verbrauchern damals schon merkwürdig vorkam, griff in den beiden letzten Wochen die Redaktion von Stern TV auf. Vertreter von Lidl und Greenpeace wanden sich mehr als dass sie in der Sendung tatsächlich Aufschluss gegeben hätten über die nun wirklich unglückliche Kombination aus Test(ergebnissen) und Magazin-Verkauf.
Stern TV testete schließlich selbst Lidl-Gemüse und fand die Greenpeace-Ergebnisse bestätigt. Das überrascht kaum. Schade, dass Stern TV nicht die nahe liegendere Frage untersucht hat: Sind der Verkauf des Greenpeace-Magazins, die Aufnahme einiger Fair-Trade-Produkte und Einführung der Bio-Produktlinie nicht einfach nur Maßnahmen, mit denen Lidl vom großen anderen Kritikpunkt ablenkt: den Arbeitsbedingungen und der Mitbestimmungsfeindlichkeit des Unternehmens? Denn dort hat sich bislang noch nicht viel Nachhaltiges getan.
Immerhin hat Greenpeace nun erkannt, dass die Kooperation mit Lidl unter den gegebenen Umständen keine so gute Idee fürs eigene Image war: Laut Greenpeace-News wird das Magazin ab der nächsten Ausgabe nicht mehr bei Lidl verkauft.
Schade, dass Greenpeace so arglos tut und vorgibt, nicht geahnt zu haben, dass Menschen einen seltsamen Zusammenhang zwischen Testergebnissen und Magazin-Verkauf herstellen könnten. Schade auch, dass der Verein meint, seine Mitglieder, Förderer und die Öffentlichkeit insgesamt für dumm verkaufen zu können und derweil seine für unangreifbar erklärte Glaubwürdigkeit wie eine Monstranz hochhält.
Besonders bedauerlich ist aber, dass Stern TV die relevanten Fragen in dieser Sache nicht gestellt hat. Greenpeace allein trägt den Schaden aus einer Sache, in der den "Schwarzen Peter" eigentlich ein ganz anderer in der Hand hält: Die Lidl-Geschäftsleitung in Neckarsulm.
Weitere Pressestimmen zum Thema Greenpeace-Magazin bei Lidl:
die tageszeitung vom 29.06.2007: Schluss mit dem Verkauf bei Lidl
Heilbronner Stimme vom 29.06.2007: Greenpeace: Magazin nicht mehr bei Lidl
Spiegel Online vom 28.06.2007: Greenpeace stoppt Magazin-Verkauf bei Lidl








