Dienstag 24. Juli 2007
zum Thema WIR SCHREIBEN HIER
In der ganzen Republik sind Aktivistinnen und Aktivisten in der Lidl-Kampagne aktiv - ehrenamtlich und aus Überzeugung. Sie verteilen Flugblätter, organisieren Informationsstände, besuchen die Beschäftigten in den Lidl-Filialen und unterschützen sie bei der Wahrnehmung ihrer demokratischen Rechte.
Rund 30 dieser ehrenamtlichen Aktivist/innen trafen sich nun am vergangenen Wochenende in Berlin, um über die Erfahrungen ihrer Aktivengruppen vor Ort zu berichten und die weiteren Aktivitäten zu planen. Sie kamen von der Küste und aus dem bayerischen Süden - aus Zwickau und aus dem Ruhrpott.
Gemeinsam diskutierten sie über ihre bisherigen Aktionen und die unzähligen Gespräche mit Verkäuferinnen, Lidl-Kund/innen und Passant/innen. Die Bamberger Lidl-Betriebsrätin Ulrike Schramm-de-Robertis berichtete aus dem Arbeitsalltag in den Discounter-Filialen, von Einschüchterung, Kontrollen und Arbeitshetze.
Aber auch von Verbesserungen wurde berichtet. So hat der öffentliche Druck auf Lidl bereits dazu geführt, dass die Filialleiter angewiesen wurden, sich im Umgangston gegenüber den Filialbeschäftigten zu mäßigen.
Alle Ehrenamtlichen waren sich einig, dass sie mit voller Kraft weiter aktiv bleiben wollen: für das Recht auf die Wahl von Betriebsräten und für menschenwürdige Arbeitsbedingungen. Geplant ist unter anderem ein internationaler Aktionstag am 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Auch dafür wollen die Teilnehmer/innen des Berliner Treffens weitere Mitstreiter/innen gewinnen.
Alle, die sich in der Lidl-Kampagne engagieren wollen, sind herzlich dazu eingeladen.
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Montag 23. Juli 2007
zum Thema WIR SCHREIBEN HIER
Bio ist angesagt - offensichtlich auch für Lidl-Chef Dieter Schwarz. Wie verschiedene Zeitungen berichten, hat sich die Schwarz-Gruppe nun mit "deutlich unter 20 Prozent", andere Quellen sprechen von exakt 13 Prozent, bei der Bio-Supermarktkette Basic AG, Firmensitz München eingekauft.
Welche Folgen ein solcher Schritt für die künftigen Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in diesem Unternehmen, aber auch für die Lieferanten haben wird, darüber kann man im Moment trefflich spekulieren. Sicher verheißt aber die Discounterisierung der Biomärkte nichts Gutes für Produktqualität wie auch Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten. Gerade im Bereich Bioladen galten lange Zeit strenge Kriterien: Exzellente Produktkenntnis und entsprechende Beratungskompetenz des Personals waren ebenso besondere Merkmale wie die Qualitätsanforderungen an die angebotenen Produkte. Sie sollten aus kontrolliertem ökologischen Anbau stammen, aber auch aus der jeweiligen Region und möglichst wenig verarbeitet sein.
In den vielen Bio-Supermarktketten, die sich in den letzten Jahren gewaltig ausbreiten, finden sich jedoch auch ökologisch eher fragwürdige Produkte; Tiefkühlware genauso wie exotische Früchte.
Die Basic AG gehört offensichtlich zu den Bio-Supermärkten, die vor allem auf Expansion und schnelles Wachstum setzen. 1997 gegründet und ein Jahr später mit einem ersten Markt in München gestartet, ist die Kette derzeit bereits mit 22 Märkten in der Bundesrepublik und einem in Österreich vertreten. Bis Jahresende wird die Zahl von 30 Märkten angepeilt.
Laut Lebensmittel-Zeitung vom 23. Juli erklärte Basic-Finanzvorstand Johann Priemeier, dass das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln - der Marktanteil liegt in der Bundesrepublik derzeit zwischen 3 und 4 Prozent - nur durch Bündnisse mit dem traditionellen Lebensmitteleinzelhandel gesteigert werden könne. Dass allerdings die Schwarz-Gruppe der geeignete Partner für eine solch' erwünschte Steigerung ist, darf bezweifelt werden.
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Montag 16. Juli 2007
zum Thema ERFAHRUNGSBERICHTE
Am Lehrstuhl für Soziologie der Technischen Universität München arbeiten zur Zeit die Soziologin Sabine Böhm und ihre Kollegen an einer Studie zu Betrieben ohne Betriebsrat. In diesem Zusammenhang hat sich Sabine Böhm an die Verantwortlichen für die Lidl-Kampagne gewandt.
Sie sucht Interview-Partner/innen für diese Studie, die in Betrieben arbeiten, die keinen Betriebsrat haben. Die Beschäftigten bei Lidl interessieren sie besonders: Welche Gründe haben Beschäftigte, sich für Verbesserungen ihrer Arbeitsbedingungen einzusetzen? Welche Gründe haben Beschäftigte andererseits, Betriebsräte in ihrer Filiale abzulehnen?
Hier für alle, die sich angesprochen fühlen, Sabine Böhms Text und Kontaktmöglichkeiten:
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Studie zur Lidl-Kampagne - „Was die Beschäftigten zu sagen haben.“
Wir brauchen Ihre Erfahrungen!!!
Mein Name ist Sabine Böhm und ich arbeite an der Technischen Universität München am Lehrstuhl für Soziologie. Dort forschen wir seit vielen Jahren häufig in Zusammenarbeit mit Gewerkschaften.
Im Gespräch mit den Verantwortlichen für die Lidl-Kampagne bei ver.di haben wir die Idee entwickelt, die Kampagne nach mehr als zwei Jahren Laufzeit zu untersuchen.
Dabei sollen die Erfahrungen und Einschätzungen der Beschäftigten selber im Mittelpunkt stehen, denn der Erfolg der Kampagne hängt entscheidend von den Beschäftigten ab.
Wir möchten erfahren, wie die aktuellen (oder ehemaligen) Lidl-Beschäftigten die Kampagne und die Arbeit der Gewerkschaft finden, warum sie sich für gerechtere Arbeitsbedingungen engagieren und was sie davon abhält.
Dazu möchten wir mit so vielen Lidl-Beschäftigten wie möglich sprechen. Die Gespräche sind absolut vertraulich auf Wunsch anonym.
Das, was wir erfahren, werden wir anonymisiert zusammenfassen und es soll dabei helfen, die Kampagne zu unterstützen.
Deshalb unsere Bitte an alle, die bei Lidl arbeiten oder gearbeitet haben und über ihre Erfahrungen sprechen möchten:
Melden Sie sich telefonisch oder über e-mail an
lidl-aktion@verdi.de
030 – 69 56 27 38 (ver.di Berlin)
oder bei
Sabine Böhm
TU München
Sabine.Boehm@ws.tum.de
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Donnerstag 12. Juli 2007
zum Thema WIR SCHREIBEN HIER
Nun macht Lidl die Jüngsten zum Ziel einer gerade gestarteten Imagekampagne: Mit Fußballnationalspieler Torsten Frings und TV-Koch Mario Koaska starteten Lidl, Deutscher Olympischer Sportbund und der aid-Infodienst Verbraucherschutz, Ernährung, Landwirtschaft e.V. am 9. Juli den "Lidl-Schüler-Fitnesscup".
Als Wettbewerb für Dritt- und Viertklässler ist diese Veranstaltung aufgezogen. Dabei liefern Lidl und seine Partner SchülerInnen und LehrerInnen eigentlich höchst banale Erkenntnisse: Teibt regelmäßig Sport, esst Obst und Vollkorn statt Pommes und Hamburger - aus solchen und ähnlichen "Tipps" besteht der Großteil des Materials, das alle Grundschulklassen erhalten, die sich am Fitnesscup beteiligen.
Ermittelt werden soll die "fitteste Grundschulklasse Deutschlands" nach einer absolvierten Projektwoche, die dann möglichst plakativ für den Wettbewerb geschildert werden soll. Immerhin lässt Lidl Preise im Gesamtwert von rund 60.000 Euro springen - darunter auch quasi "Unbezahlbares" wie eine Sportstunde mit Torsten Frings und einen Fitnesskochkurs mit Starkoch Mario Kotaska.
Und didaktisch wird Lidl zudem aktiv: Unter dem Titel "Wie kommt die Milch in den Supermarkt?" bietet der Discounter SchülerInnen eine "Erlebnisreise vom Produzenten bis zum Kunden". Hoffentlich vergisst man bei Lidl dabei nicht, den interessierten Kindern zu schildern, wie Milchbauern unter (Preis-)Druck gesetzt und fast in den Ruin getrieben wurden!
Mehr über den Wettbewerb: www.lidlfitnesscup.de
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Montag 9. Juli 2007
zum Thema PRESSESTIMMEN
Die Situation kennen viele im Einzelhandel: Bei Spätkontrollen findet der VL eine Limoflasche, der Kassenbon dazu ist nicht da. "Diebstahl!", schlussfolgert der Chef, und oft folgen Kündigung oder Aufhebungsvertrag. Manchmal kommt es aber noch schlimmer: Vielleicht ist dieser "Diebstahl" ja nicht der erste? Flugs hochgerechnet: Hätte der oder die Beschäftigte jeden Tag eine Limo-Flasche geklaut, ergäbe das ordentliche Summen, um die das Unternehmen betrogen worden wäre.
Da beraumen manche Vorgesetzten mal schnell einen Termin beim Notar an, schleppen die Beschäftigten, zumeist eingeschüchtert in vorangehenden "Verhören" dort hin und lassen sie ein so genanntes "Schuldanerkenntnis" unterschreiben. Darin erkennt der oder die Beschuldigte an, dass er oder sie das Unternehmen um eben diese Summe betrogen habe und verpflichtet sich zur Rückzahlung. Bilanz: Der Job ist weg, Arbeitslosengeld gibt es erstmal nicht, aber ein Berg Schulden muss abbezahlt werden. Dass es bei diesem "Schuldanerkenntnis" nicht immer mit rechten Dingen zugegangen ist, interessiert erst einmal nicht: unterschrieben ist unterschrieben.
Das ARD-Magazin plusminus zeigt morgen Abend um 21:50 einen Beitrag, in dem es um eben diese Praxis geht. Betroffen sind drei Auszubildende im Einzelhandel, denen Schuldanerkenntnisse über fünfstellige Summen aufgedrückt wurden – einer von ihnen ist sogar noch nicht volljährig.
Was in diesem Beitrag exemplarisch bei Edeka gezeigt wird, passiert regelmäßig auch in anderen Einzelhandelsunternehmen. In der TV-Doku "Die Billigheimer" berichtete bereits eine Kollegin von Schlecker über ihr Erlebnis mit "Schuldanerkenntnissen".
Einschalten: Dienstag, 10.07.2007, 21:50, ARD: plusminus. Oder im Netz anschauen: www.daserste.de/plusminus
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